Jugend: "Mitteldeutsche Meisterschaften"

29-10-2015

U12 und U20 in der Qualifikation zur deutschen Meisterschaft

Am letzten Septemberwochenende fand im hessischen Biedenkopf bei Marburg die „Mitteldeutsche Meisterschaft“ der Jugendmannschaften statt. Sie ersetzt die frühere Qualifikationsrunde zur deutschen Meisterschaft. Startberechtigt waren die Landesmeister der Länder Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie jeweils die zweitplatzierten. Wir waren mit allen unseren Jugendmannschaften (U12, U14, U20) qualifiziert, aber es war schon im Vorfeld abzusehen, dass wir nicht alle Bretter würden besetzen können.

Die U20 muss auf Bundesebene mit 6 Brettern antreten, was uns bereits in Personalnöte brachte. Die Entscheidung stand bereits im Vorfeld fest, die U14 nicht zu melden und die beiden ersten Bretter in die U20 aufrücken zu lassen.

Am 25.09. sollte es dann losgehen. Am Morgen kam gleich die erste Hiobsbotschaft: Nico Dorscheid war kurzfristig erkrankt, so dass wir mit nur 5 Spielern in der U20 anreisen konnten.  Mit einem Anruf bei Hussein, der in München sein Studium beginnt, konnten wir zumindest einen Ersatz organisieren, wenn auch erst für Samstag.

 

Die Abfahrtzeit am Freitag mittag war mit einem extra Puffer versehen, um bei einem eventuellen Stau noch genug Zeit vor der ersten Runde zu haben. Trotzdem kamen wir nach 5 Stunden Fahrzeit (normal sind 3) in der Jugendherberge Biedenkopf wegen kilometerlanger Staus im Frankfurter Raum erst kurz vor knapp an. Das Abendessen musste zum Teil an den Spieltischen verzehrt werden, wobei der Berichterstatter die Butterbrote tellerweise aus dem Speiseraum anlieferte. Erwartungsgemäß konnten wir die erste Runde nach der strapaziösen Fahrt abhaken: 0-4 bei der U12 als auch 0-6 für die U20 (mit 5 Spielern gegen Darmstadt). Kein guter Start also.

 

Erste Runde U20 gegen Schachforum Darmstadt

Erste Runde: U20 gegen Schachforum Darmstadt (Foto von der Webseite der Hessischen Schachjugend)

 

Spät abends musste dann Hussein noch am Bahnhof in Marburg abgeholt werden (vielen Dank an ihn für die kurzfristige Zusage!). Die Fahrt dorthin erwies sich als Spießrutenlauf. Wie in vielen anderen Regionen hat auch dort ein bekanntes Optikunternehmen Säulen zur Verkehrsüberwachung installieren dürfen, und bekommt für jeden Übertritt einen Teil des fälligen Bußgelds. Leider war eine der Säulen auch bei uns erfolgreich. Aber wenigstens waren wir jetzt vollzählig.

Am nächsten Morgen ging es dann einigermaßen ausgeschlafen und nach einem ausgiebigen Frühstück in die zweite Runde. Das merkte man auch dem Spiel an. Die Partien verliefen insgesamt offener als am Abend zuvor, auch wenn am Ende beide Mannschaften Niederlagen quittieren mussten.  Klar war aber nun auch, dass wir kaum mehr Chancen auf die Qualifikation hatten.

 

Zur 3.Runde am Nachmittag musste nur die U12 antreten.  Die U20 hatte spielfrei und nutzte die Zeit zur Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Die U12 musste gegen Trier ans Brett und zog auch hier wieder den Kürzeren, obwohl mehr drin gewesen wäre. Zachar an Brett 2 gewann eine Figur, spielte seinen Gegner mit seinen zwei Springern schwindelig und hätte mit einer Gabel die Dame  gewinnen können. Stattdessen stellte er einen der Springer ein und verlor kurz darauf sogar noch die Partie. Yukai an Brett 4 verlor ein gewonnenes Bauernendspiel.

U12 am Start

U12 am Start (Foto von der Webseite der Hessischen Schachjugend)

 

Neben dem Wettkampf kam aber auch der Spaß nicht zu kurz. Am Abend war ein Tandemturnier angesetzt, das von unseren Jungs mit großer Vorfreude erwartet wurde.  Auch danach wurde weiter gespielt und die Bettruhe war erst nach mehrmaliger Aufforderung hergestellt.

 

Am Sonntag morgen war dann Pfalzmeister Landskrone Gegner der U20. Hussein an Brett 5 zähmte den verzogenen Orang-Utan seines Gegners schon in der Eröffnung. Meikel an Brett 6 hatte auch leichtes Spiel, so dass wir bereits 2-0 führten. Die übrigen Partien standen offen bis leicht schlechter. Vincent hatte einen Bauern verloren, aber ungleichfarbige Läufer auf dem Brett. Youheng an Brett 2 hatte in einem gewohnt scharfen Drachen Chancen, allerdings hatte sein Gegner einiges Gegenspiel. Dario an Brett 3 hatte in der Eröffnung Material verloren und versuchte, die Partie irgendwie zu halten. Nicolas an Brett 4 hatte einen Bauern geopfert und dafür sein gewohntes Druckspiel mit Weiß aufs Brett bekommen. Die Entscheidungen fielen dann recht schnell. Dario konnte seine Partie nicht halten, dafür gelang Nicolas ein schöner Angriffssieg. Nachdem auch Youheng ein Remis sichern konnte, war auch Vincents Gegner zum Remis bereit. Insgesamt ein schöner Erfolg. Die U12 hatte unterdessen gegen Konz wieder eine Niederlage kassiert.

Albert beim Tischtennis

Albert beim Ausgleichssport: Tischtennisweitspringen (Foto von der Webseite der Hessischen Schachjugend)

 

Zur letzten Runde am Sonntag nachmittag stand für die U20 mit dem Hessenmeister Frankfurt der nominell stärkste Gegner an.  Ohne große Illusionen gings ans Werk, aber nach kurzer Zeit gab es den ersten Paukenschlag. Vincent an Brett 1 hatte gegen FM Keller (DWZ >2300) in der altbekannten Greco-Variante Material geopfert. Sein Gegner hatte die Gefahren wohl unterschätzt und Vincent konnte die Partie mit einem schönen Damenopfer krönen. Fairerweise ließ sein Gegner sogar das Matt zu: 1-0. An den anderen Brettern war die Lage unklar. Youheng musste sich dann seinem starken Gegner geschlagen geben, wobei sich die Sache in der anschließenden Analyse als nicht so klar erwies. Meikel gelang ein Remis, aber Nicolas und Dario konnten ihre Partie nicht halten.  Zwar krönte Hussein sein Wochenende noch mit einem schönen Sieg, aber am Ende unterlagen wir knapp 2,5 zu 3,5. Aber immerhin ein Achtungserfolg gegen den späteren Zweitplatzierten.

Schwarz zieht De8. Weiß setzt in 3 Zügen matt.

 

Die U12 kämpfte wieder zäh. Kevin an Brett 1, der ein gutes Turnier spielte, schaffte ein Remis. Albert an Brett 3 hatte leider kein gutes Wochenende erwischt und konnte auch die letzte Partie trotz Mehrfigur nicht gewinnen. Allerdings hat er mit seinen 7 Jahren noch einiges an Erfahrung aufzuholen.

Im Anschluss an die Siegerehrung machten wir uns auf den Heimweg, der dann besser bewältigt wurde als die Anreise.

Insgesamt ein spannendes und auch anstrengendes Wochenende, das uns allen viel Erfahrung gebracht hat. In der U12 ist der Abstand zu den besten Teams weiterhin groß. Da ist noch einiges zu tun, auch an den Grundlagen. In der U20 haben wir mit einem jungen Team den Anschluss geschafft, auch wenn die Qualifikation am Ende verfehlt wurde. Nächstes Jahr wollen wir das nochmals angehen.

 

Noch ein paar Anmerkungen zum Turnier. Bisher wurden die 3 Startplätze zur deutschen Meisterschaft für die 4 Bundesländer in einem Qualifikationsturnier der Landesmeister ausgespielt. Dabei gab es immer wieder unschöne Phänomene, wie z.B. die vorzeitige Abreise von Teams, die entweder die Qualifikation bereits sicher oder keine Chance mehr darauf hatten. Die Zusammenlegung der meist dezentral ausgerichteten Qualifikationsrunde hat sicher auch ihr Gutes. Aus saarländischer Sicht muss allerdings bemerkt werden, dass die Erweiterung des Starterfeldes die Chancen auf eine Qualifikation weiter verringert hat. Zudem wurde in der U20 auch die Zahl der Plätze auf 2 reduziert. Früher hätte der Sieg gegen den Pfalzmeister zur Qualifikation gereicht. In diesem Modus reichen bei zwei Qualifikationsplätzen nicht einmal zwei Siege automatisch aus.

 

Wie man übrigens auf die Bezeichnung „Mitteldeutsch“ für diese Meisterschaft verfallen konnte, ist mir schleierhaft. Der Ausdruck passt sicher nicht auf Rheinland-Pfalz und ganz gewiss nicht auf das Saarland. Aber sei’s drum, etwas Griffiges musste wohl her und da nimmt man es mit Worten nicht so genau.   

 

Hervorzuheben ist dagegen die Organisation vor Ort. Das junge Team der hessischen Schachjugend war bei Problemen immer hilfsbereit, die gesamte Veranstaltung gut organisiert. Wenn die Meisterschaft nächstes Jahr dann turnusgemäß von Rheinland-Pfalz ausgerichtet wird, wird die diesjährige Veranstaltung das Vorbild sein müssen.

  

 

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